Fehler machen erlaubt: Wie Südzucker mit "pAIoneer" neue Innovationskultur schafft

Jan 14, 2026

Maximilian Hahnenkamp

Mit pAIopneer hat Südzucker ein eigenes KI-Team aufgestellt, dass die Nutzung von KI im Unternehmen vorantreibt - Change Management, Skalierung und Fehler-Mindset inklusive.

Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr. Für viele Unternehmen im Mittelstand stellt sich nicht mehr die Frage, ob KI eingesetzt werden soll, sondern wie. Genau hier zeigt das Beispiel der Südzucker-Gruppe, wie eine klare KI-Strategie, gepaart mit einer gelebten Fehlerkultur, den Weg für nachhaltige Innovation ebnet.

Mit dem gruppenweiten KI-Programm pAIoneer hat Europas größter Zuckerproduzent einen Ansatz gewählt, der besonders für Entscheiderinnen und Entscheider in KMUs relevant ist. Im Mittelpunkt stehen nicht Tools oder Technologien, sondern Menschen, Prozesse und die Fähigkeit, sich als Organisation kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Warum Fehlerkultur die Grundlage jeder erfolgreichen KI-Strategie ist

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch mit dem pAIoneer-Team lautet, dass Innovation ohne Fehler nicht möglich ist. Gerade bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz führen Perfektionsansprüche häufig zu Stillstand. Südzucker hat sich bewusst dagegen entschieden und eine Umgebung geschaffen, in der Experimente erlaubt sind.

Das KI-Team agiert als eigenständige Projekteinheit, losgelöst von klassischen Konzern- und IT-Strukturen. Dadurch können Ideen schneller getestet, MVPs entwickelt und Learnings früh in neue Ansätze überführt werden. Für den Mittelstand ist dieser Gedanke besonders relevant, denn auch kleinere Unternehmen profitieren davon, wenn KI-Projekte nicht durch starre Prozesse ausgebremst werden.

pAIoneer bringt KI dorthin, wo Wertschöpfung entsteht

Statt Künstliche Intelligenz als reines IT-Thema zu behandeln, ist pAIoneer eng an das Business angebunden. Die KI-Initiative arbeitet direkt mit Fachbereichen wie Produktion, HR, Energie-Management oder Vertrieb zusammen. So entsteht Ownership dort, wo Prozesse verstanden und Entscheidungen getroffen werden.

Gerade für KMUs ist das ein entscheidender Erfolgsfaktor. KI entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn sie konkrete Geschäftsprobleme löst und nicht isoliert in der IT-Abteilung entwickelt wird. Die IT bleibt dabei ein wichtiger Enabler, aber nicht alleiniger Treiber der KI-Transformation.

Anpassungsfähigkeit als Wettbewerbsvorteil im KI-Zeitalter

Südzucker ist ein traditionelles Industrieunternehmen und bewegt sich in einem stark kostengetriebenen Marktumfeld. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, setzt das Unternehmen auf Anpassungsfähigkeit statt auf langjährige Großprojekte.

KI-Projekte starten bewusst klein, werden als MVP umgesetzt und von Anfang an mit Blick auf Skalierbarkeit entwickelt. Ziel ist es, Lösungen zu schaffen, die über einzelne Werke oder Divisionen hinaus genutzt werden können. Genau dieser Ansatz ist für den Mittelstand besonders relevant, da Ressourcen begrenzt sind und Investitionen schnell Wirkung zeigen müssen.

KI-Anwendungen mit messbarem Business Impact

Ein zentraler Bestandteil der KI-Strategie von Südzucker ist die Fokussierung auf Anwendungsfälle mit klarem Mehrwert. Besonders deutlich wird das im Bereich der Energieoptimierung. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz werden Kühlprozesse in der Tiefkühlproduktion so gesteuert, dass teure Lastspitzen vermieden werden, ohne die Produktqualität zu beeinträchtigen. Bereits ein einzelnes Werk erzielt dadurch Einsparungen im oberen fünfstelligen Bereich.

Ein weiteres Beispiel ist der interne HR-Chatbot. Er beantwortet häufige Fragen zu Themen wie Urlaub, Abrechnung oder Elternzeit automatisiert und entlastet so die HR-Abteilung. Gleichzeitig erleben Mitarbeitende KI im Alltag als konkrete Unterstützung. Solche sichtbaren Anwendungsfälle sind entscheidend, um Akzeptanz für Künstliche Intelligenz im Unternehmen aufzubauen.

KI-Einführung scheitert selten an Technologie, sondern an Menschen

Ein zentrales Aha-Erlebnis des pAIoneer-Teams war die Erkenntnis, dass Enablement und Change Management entscheidender sind als die Auswahl der richtigen KI-Tools. Südzucker investiert daher gezielt in Trainings und Weiterbildungsangebote, die Mitarbeitende auf unterschiedlichen Wissensständen abholen.

Dabei geht es nicht nur um generative KI wie Copilot oder ChatGPT, sondern um ein grundlegendes Verständnis dafür, wie Künstliche Intelligenz Prozesse verändert und neue Arbeitsweisen ermöglicht. Indem KI Aufgaben übernimmt, die repetitiv oder frustrierend sind, entsteht Raum für wertschöpfende Tätigkeiten. Das steigert Effizienz, Motivation und Innovationskraft gleichermaßen.

Kommunikation und Beteiligung als Erfolgsfaktoren

Ein weiterer Schlüssel zur neuen Innovationskultur bei Südzucker ist transparente Kommunikation. Über interne Plattformen, Communities und offene Austauschformate werden KI-Projekte erklärt, Fortschritte geteilt und Fragen beantwortet. Ergänzt wird das durch eine gruppenweite AI-Ambassador-Community, die als Bindeglied zwischen KI-Team und Fachbereichen fungiert.

So wird Künstliche Intelligenz nicht als abstraktes Zukunftsthema wahrgenommen, sondern als greifbares Werkzeug, das den Arbeitsalltag konkret verbessert. Für KMUs ist dieser Ansatz besonders wertvoll, da Nähe und direkte Kommunikation oft große Stärken des Mittelstands sind.